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"Wird in Deutschland zu viel operiert?"

Keinen Anreiz zu unnötigen Operationen geben – Experten diskutierten über überflüssige Operationen seit der Einführung des Fallpauschalensystems in Deutschland

Am Abend des 05. Septembers 2013 hat das AKH Celle zur Podiumsdiskussion mit der Fragstellung „Wird in Deutschland zu viel operiert?“ in die Alte Exerzierhalle eingeladen. Anlass war eine Anfang April vorgestellte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach der in kaum einem anderen Land so viele Menschen operiert und im Krankenhaus behandelt würden wie in Deutschland. Laut der Statistik kamen auf 1000 Einwohner 240 Klinikaufenthalte. Führend sei die Bundesrepublik bei der stationären Therapie von Herz-Kreislauf-Krankheiten und beim Einsetzen künstlicher Hüften (mittlerweile wurde die Studie aufgrund falscher Zahlen schon relativiert).
Auf dem Podium diskutierten Dr. Ralf Aring, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Celle, Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Jochen Blaser, Referent für Vertragswesen der Techniker Krankenkasse, Andreas Nestvogel, Pflegesatzverhandler der BARMER GEK Hannover, Prof. Dr. Ulf Culemann, Chefarzt für Unfallchirurgie und Prof. Dr. Eckhard Rickels, Chefarzt für Neurotraumatologie. Moderiert wurde die Diskussion von Ralf Leineweber dem Chefredakteur der Celleschen Zeitung. 
Das AKH Celle hat diese Veranstaltung initiiert, weil Ärzte seit der Veröffentlichung der OECD Studie immer wieder auf verunsicherte Patienten treffen. „Muss ich wirklich operiert werden?“ „Gibt es nicht noch alternative Methoden?“ Einigen Patienten fehlt seit der breiten Diskussion über dieses Thema in den Medien schlicht das Vertrauen in den operierenden Arzt. Eine Situation, die  auch für die behandelnden Ärzte frustrierend ist. So waren am Abend des 05. Septembers auch fast alle Chefärzte des AKH Celle gekommen, um sich der Diskussion mit dem Menschen in und um Celle zu stellen und kritische Fragen zu beantworten. 
In seiner Begrüßungsrede verwies Stephan Judick, Vorstand der AKH-Gruppe, darauf, dass in seinem Haus keine Prämien für Operationen gezahlt werden: „Bei uns bekommt kein Chefarzt eine Prämie oder einen Bonus, wenn er mehr operiert. Ein solch falsches Anreizsystem lehnen wir ab! Wir setzen bei unseren Zielvereinbarungen auf die Abteilungsentwicklung, Fort- und Weiterbildung und das Thema Qualität!“ 
Wolfram Arnim Candidus bestärkte die anwesenden Zuhörer vor allen Dingen darin, ihre Rechte als Patienten stärker gegenüber den Krankenkassen wahrzunehmen und kritisierte die Politik dafür, von den Krankenhäusern auf der einen Seite mehr Markt zu fordern und sich dann zu wundern, wenn sie es dann auch tun. Die beiden Krankenkassenvertreter verwiesen wiederholt auf die deutlich gestiegenen OP-Zahlen im internationalen Vergleich – sagten aber auch dass laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Celle unter dem Durchschnitt in Niedersachen und auch dem Bundesdurchschnitt liege, was die OP Zahlen angehe. 
Einstimmig kritisiert wurden die rückläufigen Investitionszuschüsse für Krankenhäuser durch die Länder und die generellen Anreize, die das Fallpauschalensystem für die Krankenhäuser setze. 
Nach einer intensiven Diskussion, in die auch das Publikum mit einbezogen wurde, gab es im Anschluss noch die Möglichkeit für einen informellen Austausch.