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Klinik für Kardiologie

Erkrankungen & Therapien

Herzkatheteruntersuchungen

Koronarkatheter fuer die linke Herzkranzarterie 01
Koronarkatheter fuer die linke Herzkranzarterie 01

Bei einer Linksherzkatheteruntersuchung wird ein Katheter nach Punktion der Arterie, in der Regel die Leistenarterie, in die linke Herzkammer vorgeschoben. Diese wird dann mit Kontrastmittel dargestellt. Anschließend wird von der Hauptschlagader (Aorta) aus unter Röntgendurchleuchtung mit verschiedenen Kathetern Kontrastmittel in die Herzkranzadern gespritzt (Koronarangiographie). Dabei wird festgestellt, ob eine Herzkrankgefäßerkrankung (KHK) vorliegt. Gleichzeitig misst man die Blutdrücke in der linken Herzkammer und der Aorta.
 

Bei einer Rechtsherzkatheteruntersuchung kann man den Kreislauf im rechten Herzen und in der Lunge, dem sogen. kleinen Kreislauf, messen. Hierfür wird ein Katheter über die Leistenblutader bis in die Lungenschlagader gelegt. Dann wird dieser langsam zurückgezogen, wobei an verschiedenen Orten der Druck registriert und ausgemessen wird. Mit Hilfe dieser Werte und der Werte aus der Linksherzuntersuchung können Herzfehler und Störungen der Herzfunktion genau bestimmt werden.

Die diagnostische Herzkatheteruntersuchung kann auch ambulant durchgeführt werden.

Video Herzkatheteruntersuchung

Verschiedene Koronarkatheter 01
Verschiedene Koronarkatheter 01

Dilatation und Stentimplantation

Ballonkatheter mit Stent
Ballonkatheter mit Stent

Werden eine oder mehrere hochgradige Engstellen (Stenosen) an den Kranzarterien entdeckt, bieten wir die Möglichkeit, diese gleich im Anschluss an eine Herzkatheteruntersuchung zu beseitigen. Dies geschieht mit einer sogen. Ballondilatation (PTCA).

Bei der Dilatation wird ein Katheter zur erkrankten Kranzarterie geführt. Über einen Führungsdraht, der die Engstelle (Stenose) passiert, wird ein Ballon vorgeschoben. In der Stenose wird der Ballon mit Flüssigkeit gefüllt und weitet dadurch die Enge auf.

In der Regel sitzt auf dem Ballon noch ein Stent (Metallgitterröhrchen), der mit dem Ballon in die Wand der kranken Kranzader gepresst wird und dort nach dem Entfernen des Ballons liegen bleibt, um die Ader abzustützen.


Linke Kranzader 

Qualität im Herzkatheterlabor Qualität_2010_Kardiologie

Stent Cent
Stent Cent
Vor Dilation
Vor Dilation
Nach Dilation
Nach Dilation

Therapie des akuten Herzinfarktes

Verschlossenes Koronargefaess beim Herzinfarkt 01
Verschlossenes Koronargefaess beim Herzinfarkt 01

Was passiert bei einem akuten Herzinfarkt?

Bei einem akuten Herzinfarkt verschließt sich plötzlich ein Herzkranzgefäß durch einen Blutpfropf an einer Stelle, die durch Cholesterineinlagerung eingeengt ist. Das bedeutet, dass durch diese Arterie kein Blut mehr fließen kann. Die Folge ist, dass der Herzmuskel, der von dieser Ader mit Sauerstoff versorgt wird, unweigerlich zu Grunde geht.

Warum ist ein Herzinfarkt so gefährlich?

Auch heute noch stirbt fast die Hälfte aller Patienten, wenn sie einen akuten Herzinfarkt haben. Gerade die erste Zeit nach Beginn des Herzinfarktes ist die gefährlichste Zeit. Es droht der plötzliche Herztod durch Kammerflimmern und im weiteren Verlauf der akute Schock durch Herzschwäche.

Wie lange kann der Herzmuskel Sauerstoffnot aushalten?

Die einzelne Herzmuskelzelle stirbt spätestens nach 30 Minuten ohne Sauerstoff ab. Der Herzmuskel kann einen kompletten Verschluss einer Kranzader glücklicherweise durch Kompensationsmechanismen länger als 30 Minuten überleben. In der Versorgung des Muskels mit Blut ist etwas Reserve vorhanden, sodass sich die Überlebenszeit auf 6-10 Stunden verlängert. Danach ist jedoch in der Regel der Herzmuskel komplett abgestorben. Herzmuskelzellen regenerieren sich nicht wieder und sind verloren. Das Herz wird dadurch immer schwächer.

Kann sich der Muskel wieder erholen, wenn der Verschluss vorher beseitigt wurde?

Ja, je eher die Zufuhr an Sauerstoff wieder hergestellt wird, umso mehr Muskel kann gerettet werden. Bevor der Herzmuskel abstirbt tritt eine zunehmende Schädigung ein, die aber potentiell innerhalb von 6 - 10 Stunden wieder geheilt werden kann.

Wann sollte die Ader wieder öffnet werden?

Oberster Grundsatz der akuten Herzinfarkttherapie ist: So schnell wie möglich muss die Ader wieder eröffnet werden.

Was ist die beste Methode die Ader wieder aufzubekommen?

Die beste und sicherste Methode ist, die Kranzader mit einem Ballon und einem Stent mithilfe eines Herzkatheters zu öffnen. Dies ist nur in einem Herzkatheterlabor möglich. Wir in Celle sind in der glücklichen Lage, das im Allgemeinen Krankenhaus ein Herzkatheterlabor vorhanden ist, in dem seit dem Jahr 1987 Kranzarterien mit einem Ballon behandelt werden können. Rund um die Uhr gibt es einen Bereitschaftsdienst, um die Patienten möglichst schnell - sogar direkt vom Notarztwagen - auf den Herzkathetertisch zu bekommen.

Wie eröffnet man eine Kranzader?

Mit einem Herzkatheter - das ist eine dünne Sonde, die man über die Leistenarterie einführt - legen wir einen mit einem Stent bewehrten Ballon in den Verschluss. Durch Füllen des Ballons mit Flüssigkeit wird der Ballon mit dem Stent in die Wand gedrückt. Nach Ablassen des Ballons bleibt der Stent in der Ader und hält diese von Innen auf. Sofort mit Wiedereröffnung der Ader lassen der Schmerz und die Brustenge nach.

Wie merkt man einen Herzinfarkt?

Kurz nach Beginn der Sauerstoffnot am Herzmuskel tritt ein starkes Engegefühl in der Brust mit Todesangst auf. Ziehende Schmerzen strahlen in die verschiedenen Körperregionen aus. Zum Beispiel in den linken Arm, in den Hals, in den Kiefer, in den Rücken, den rechten Arm oder in den rechten Oberbauch. Brennen hinter dem Brustbein ist auch oft vorhanden. Sehr häufig ist dies verbunden mit Übelkeit und kaltem Schweißausbruch.

Was soll ich bei akuten Schmerzen machen?

Wenn die o.g. Symptome auftreten und länger als 20 - 30 Minuten anhalten, sollte sofort ein Arzt gerufen werden oder besser noch der Notarzt, damit ein EKG geschrieben werden kann.

Am schnellsten geht es, wenn die Rettungsleitstelle unter der Telefonnummer 112 angerufen wird.

Wann tritt ein Herzinfarkt ein?

Der Herzinfarkt kann zu jeder Tages- und Nachtzeit plötzlich mit und ohne Vorankündigung eintreten. Jeder mit entsprechenden Risikofaktoren muss mit einem Herzinfarkt rechnen. Raucher, Zuckerkranke, Patienten mit erhöhtem Cholesterin, Hochdruckkranke und Übergewichtige sollten genauso wie Menschen mit Herzinfarkten und Schlaganfällen in der Familie besonders aufmerksam sein.

Kann ich auch nachts behandelt werden?

Seit 1999 haben wir im AKH einen Rufbereitschaftsdienst 24 Stunden am Tag 7-mal die Woche, also immer rund um die Uhr auch nachts. Unser Ziel ist es, dass nach Eintreffen im Krankenhaus spätestens nach 60 Minuten die verschlossene Ader wieder offen ist. Zurzeit liegen wir bei 55 Minuten im Schnitt. Vier Teams stehen zur Verfügung um Ihnen zu helfen.

Wiedereroeffnetes Gefaess nach Stentimplantation 01
Wiedereroeffnetes Gefaess nach Stentimplantation 01

Vorhofohrverschluss bei Vorhofflimmern

Vorhofohrverschluss durch Schirmchen 01
Vorhofohrverschluss durch Schirmchen 01

Seit wenigen Jahren gibt es die Möglichkeit bei Vorhofflimmern die Gefahr eines Schlaganfalls durch einen Herzkathetereingriff deutlich zu verringern. Die Kardiologie im Allgemeinen Krankenhaus bietet diese Therapie an.

Der Vorhofohrverschluss geschieht mit einem Herzkatheter, der über die Leistenvene eingeführt wird und dem Blutfluss durch die große Hohlvene in den rechten Vorhof folgt. Nach Punktion der Vorhofscheidewand gelangt man in den linken Vorhof und von dort in das Vorhofohr.

Das sog. Vorhofohr ist eine sackartige Ausstülpung der Vorkammern des Herzens. Es ist ohne Funktion und kann daher ohne nachteilige Folgen verschlossen werden.

Über den Katheter wird ein Schirmchen in das Vorhofohr eingeführt und dort aufgespannt. In dem Eingang des Vorhofohrs bleibt dieses liegen und verhindert, dass Gerinnsel von dort in den Körper verschleppt werden. Das Schirmchen wächst ein. Nach einem halben Jahr besteht auch bei dauerhaftem Vorhofflimmern keine Emboliegefahr mehr.

Die Therapie der Wahl zur Verhinderung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern war bisher allein das Verhindern der Blutgerinnselbildung durch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten wie Marcumar und ähnlichen. Wobei durch diese Therapie, die Gefahr von auch lebensgefährlichen Blutungen in Kauf genommen werden musste.

Bei Menschen, die besonders blutungsgefährdet sind, ist der Verschluss des Vorhofohres jetzt eine gute Alternative.

>>> Patienteninformation Herzohrverschluss

Schlaganfallgefahr bei Vorhofflimmern

ragen und Antworten von PD Dr. Peter-Christian Werner, 1. Oberarzt der Klinik für Kardiologie im Allgemeinen Krankenhaus Celle, zur Therapie der Emboliegefahr bei Vorhofflimmern.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Es tritt mit zunehmendem Alter mehr in Erscheinung. Vorhofflimmern kann dauerhaft und anfallsartig auftreten. Es ist unbehandelt durch einen schnellen und vor allem sehr unregelmäßigen Herzschlag gekennzeichnet. Es wird daher auch absolute Arrhythmie genannt.

Wo entsteht das Vorhofflimmern?

Es ist eine Rhythmusstörung der Herzvorkammern. Normal ziehen sich diese kurz vor einem Herzschlag angeregt durch einen elektrischen Impuls regelmäßig zusammen. Bei Vorhofflimmern gerät dieser elektrische Impuls außer Kontrolle und fängt an, sehr schnell und unregelmäßig die Vorkammern zu erregen. Folge ist, dass sich die Vorkammern nicht mehr zusammenziehen können und praktisch stillstehen.

Woher kommt Vorhofflimmern?

Sehr häufig entsteht das Vorhofflimmern durch eine Vorhofüberlastung als Folge verschiedener Herzkrankheiten. Herzfehler, Herzschwäche und Kranzgefäßkrankheit verursachen oft diese Rhythmusstörung. Virusinfekte oder Alkohol können ebenfalls Auslöser sein. Sehr häufig kann man jedoch keine Ursache finden. Man spricht dann von einem idiopathischen Vorhofflimmern.

Ist Vorhofflimmern gefährlich?

Diese Arrhythmie ist in der Regel eine rel. harmlose Rhythmusstörung. Wenn man die Herzfrequenz mit den entsprechenden Medikamenten auf normale Werte zwischen 50 und 90 Schlägen pro Minute einstellt, kann man sogar dauerhaft damit leben. Gefährlich ist das Vorhofflimmern durch die Möglichkeit einen Schlaganfall durch eine Hirnembolie zubekommen. Diese Gefahr besteht schon, wenn das Vorhofflimmern länger als 48 Stunden anhält. Es können bleibende Schäden mit Lähmungen auftreten.

Woher kommen die Embolien?

Bei Vorhofflimmern ziehen sich die Vorkammern nicht mehr zusammen und das Blut dort verlangsamt sich und hört in manchen Abschnitten auf zu fließen. Blut, das nicht mehr fließt, bildet Gerinnsel. Diese Gerinnsel können als Embolie überall hin geschwemmt werden. Im Kopf verursachen sie einen Schlaganfall. Eine Ausstülpung des linken Vorhofs das sog. Vorhofohr ist verantwortlich für solche Gerinnsel. 90% aller Embolien kommen aus dem linken Vorhofohr.

Was ist ein Vorhofohr?

Das Vorhofohr ist ein sackförmiges Anhängsel des linken Vorhofes. Es hat keinerlei Bedeutung. Man kann es daher problemlos verschließen, wenn von ihm eine Gefahr droht.

Wie behandelt man die Emboliegefahr?

Man muss verhindern, dass sich Gerinnsel im Vorhofohr bilden. Dies geschieht in den aller meisten Fällen durch eine effektive Gerinnungshemmung mit Medikamenten. In der Regel handelt es sich um eine Dauertherapie mit Marcumar oder ähnlichen Medikamenten. Der Nachteil ist, dass je länger diese Gerinnungshemmung durchgeführt wird, die Gefahr umso größer wird, dass man eine Blutungskomplikation bekommt. Menschen mit erhöhter Blutungsneigung sind besonders gefährdet.

Welche Alternative gibt es?

Man kann das Vorhofohr verschließen. Dies geschieht mit einem Herzkatheter. Über diesen wird ein Schirmchen in das Vorhofohr eingeführt und dort aufgespannt. In dem Eingang des Vorhofohrs bleibt er liegen und verhindert, das Gerinnsel von dort in den Körper verschleppt werden. Das Schirmchen wächst ein. Nach einem halben Jahr besteht auch bei dauerhaftem Vorhofflimmern keine Emboliegefahr mehr.

Für wen kommt der Vorhofohrverschluss in Frage?

Alle, die unter Vorhofflimmern leiden und die eine Gerinnungshemmung benötigen, und alle, die diese Gerinnungshemmung nicht vertragen oder eine vermehrte Blutungsneigung haben. Also alle, die eine Blutgerinnungshemmung benötigen diese aber gleichzeitig nicht bekommen dürften.

Offenes Foramen ovale

Mit dem Schirmchen armierter Einfuehrkatheter
Mit dem Schirmchen armierter Einfuehrkatheter

Verschluss eines offenen Foramen ovale oder Vorhofseptumdefekt Bei einem offenen Foramen ovale handelt es sich um ein Überbleibsel am Herzen aus der Zeit vor der Geburt. Es handelt sich um ein kleines Loch in der Vorhofscheidewand des Herzens. Normalerweise verschließt sich dieses Loch nach der Geburt. Bei rund 25% der Menschen bleibt es jedoch offen. Mit einem Foramen ovale ist das Herz nicht krank, aber es kann zu einem Problem werden. Manchmal, wenn sich in den Blutadern kleine Gerinnsel bilden, können diese durch das Loch schlüpfen und einen Schlaganfall verursachen. Dies ist besonders der Fall, wenn die Vorhofscheidewand zu groß geraten ist und zusätzlich eine kleine Ausbuchtung, ein Aneurysma, hat.

Wenn jemand mit einem offenen Foramen ovale und einem Vorhofaneurysma einen Schlaganfall hatte, sollte und kann man das Loch mit einem sog. Schirmchen über einen Kathetereingriff verschließen. Dies ist ein kleiner Eingriff im Herzkatheterlabor. In der Regel kann man am nächsten Tag wieder nach Hause gehen.

Auf ähnliche Weise wird auch ein richtiger Defekt der Vorhofscheidewand repariert. Bei einem Vorhofseptumdefekt handelt es sich um den häufigsten angeborenen Herzfehler.

Beide Eingriffe werden in der Kardiologie des AKH durchgeführt.

PFO Schirmchen
PFO Schirmchen
PFO Schirmchen auseinandergezogen
PFO Schirmchen auseinandergezogen

Herzschrittmacher

Herzschirttmachermodelle
Herzschirttmachermodelle

Bei Patienten mit symptomatischen Bradykardien („langsamer Pulsschlag“) werden in Zusammenarbeit mit der Klinik für Allgemeinchirurgie routinemäßig Ein- oder Zweikammerschrittmachersysteme implantiert. Auch der Wechsel dieser Aggregate wird routinemäßig durchgeführt, in der Regel ambulant.

Bei Patienten mit stattgehabten oder hohem Risiko für ventrikuläre Tachyarrhythmien werden in Zusammenarbeit mit der Klinik für Allgemeinchirurgie routinemäßig Ein- oder Zweikammerdefibrillatorsysteme implantiert.

Seit 2004 führen wir die Implantation von sogenannten „Dreikammerschrittmachersystemen“ durch, um bei Patienten mit erheblich eingeschränkter Pumpfunktion der linken Herzkammer und bestehendem Linksschenkelblock im EKG eine Verbesserung der Herzkraft und somit der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erreichen.

Ein-oder Zweikammerschrittmacherimplantation

Herzschrittmacher werden bei symptomatischer Bradykardie (langsamer Pulsschlag) eingesetzt. Typische Symptome eines zu langsamen Pulsschlages sind Schwindel, mangelnde körperliche Belastbarkeit oder auch eine kurzzeitige Bewußtlosigkeit. Je nach Art der vorliegenden Rhythmusstörung kann ein Einkammerschrittmacher (eine Sonde wird in die rechte Herzkammer gelegt) oder ein Zweikammerschrittmacher (eine Sonde in die rechte Herzkammer, eine Sonde in den rechten Herzvorhof) eingesetzt werden.

Seit der ersten Schrittmacherimplantation 1958 hat sich die Schrittmachertherapie rasant fortentwickelt. Mittlerweile ist das Einsetzen eines Herzschrittmachers zu einer Routineoperation geworden, 2006 wurden bundesweit mehr als 65 000 Herzschrittmacher neu implantiert, das entspricht einer Rate von 788 Neuimplantationen pro 1 Million Einwohner. In unserer Klinik wird der Eingriff seit vielen Jahren durchgeführt. 2008 implantierten wir 145 Ein- oder Zweikammerschrittmacher neu und lagen damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 64 Neuimplantationen pro implantierendem Krankenhaus. Zusätzlich wurden 38 Schrittmacheraggregatwechsel (ganz überwiegend ambulant) durchgeführt, im Bundesdurchschnitt waren es 19 pro implantierender Klinik.

Die Implantation führen wir zusammen mit der Allgemeinchirurgischen Klinik unseres Hauses durch. Der Eingriff selbst dauert ca. 1 Stunde und erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung, wobei wir den Patienten auf Wunsch gerne eine beruhigende Medikation zukommen lassen. Nach Kontrolle der Wundverhältnisse und des neu eingesetzten Schrittmachersystems erfolgt in der Regel die Entlassung am nächsten Tag (im Bundesdurchschnitt nach 6 Tagen). Nach 10 Tagen muss der verbliebene Hautfaden durch den Hausarzt entfernt werden, nach ca. 4 Wochen erfolgt eine erste Schrittmacherkontrolle in unserer Klinik. Die weiteren Schrittmacherkontrollen werden dann alle 6-12 Monate durch niedergelassene Kardiologen durchgeführt.

Ein- oder Zweikammerdefibrillatorimplantation

Implantierbare Defibrillatoren (IDCs) sind in der Lage, schnelle Herzrhythmusstörungen zu erkennen und durch Abgabe elektrischer Energie zu beenden. Die Geräte werden daher bei Patienten eingesetzt, bei denen sogenannte ventrikuläre Tachyarrhythmien (ventrikuläre Tachykardien, Kammerflimmern) nachgewiesen wurden. Diese Rhythmusstörungen sind akut lebensbedrohlich und müssen daher sofort erkannt und beendet werden. Zusätzlich werden Defibrillatoren bei Patienten mit schwer eingeschränkter Pumpfunktion der linken Herzkammer implantiert, da man aus vielen Untersuchungen weiß, daß Patienten mit einer schlechten Pumpfunktion der linken Herzkammer ein sehr stark erhöhtes Risiko für das Auftreten dieser lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen besitzen.

Die Geräte besitzen zusätzlich immer auch eine Herzschrittmacherfunktion und können daher auch wie ein herkömmlicher Ein- oder Zweikammerschrittmacher arbeiten.

Die Implantation dieser Geräte verläuft ähnlich wie das Einsetzen eines herkömmlichen Herzschrittmachers. Der Eingriff wird in örtlicher Betäubung begonnen. Nach korrekter Anlage der Defibrillarsonde in die rechte Herzkammer unter Röntgenkontrolle und Bestimmung korrekter Meßwerte wird der implantierbare Defibrillator angeschlossen. Nun wird der Patient durch eine Kurznarkose für etwa 5 Minuten in Schlaf versetzt. Während dieser Zeit wird durch Stimulation über die gelegte Defibrillatorsonde das Herz künstlich in Kammerflimmern versetzt und somit die Herzrhythmusstörung erzeugt, die das Gerät erkennen und durch einen Stromschlag beenden muß. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wird somit beim narkotisierten Patienten getestet, ob das Gerät auch in der Praxis genau die Aufgabe erfüllt, für die es eingesetzt wurde. Obwohl mittlerweile viele Kliniken auf diese Testung verzichten, halten wir sie nach wie vor für sinnvoll, weil nur durch diesen Test bewiesen wird, daß das System auch beim individuellen Patienten funktioniert. Nach erfolgreicher Testung wird die Wunde verschlossen und die Operation beim mittlerweile wieder wachen Patienten beendet. Nachfolgend wird der Patient noch 48 Stunden im Krankenhaus überwacht, es schließen sich also an die Operation noch zwei Krankenhaustage an, in denen das ICD-System noch abschließend programmiert und kontrolliert wird. Nach ca. 10 Tagen kann durch den Hausarzt der Hautfaden gezogen werden, nach ca. 4 Wochen erfolgt eine weitere ambulante Kontrolle in unserer Klinik. Die weiteren Kontrollen werden in 6-monatigem Abstand entweder durch niedergelassene Kardiologen oder in unserer Klinik durchgeführt.

Dreikammerschrittmacher- oder defibrillatorimplantation

Die sogenannten Dreikammerschrittmachersysteme werden bei Patienten mit schwer eingeschränkter Pumpfunktion der linken Herzkammer und bestehendem Linksschenkelblock im EKG eingesetzt, um den Ablauf der Muskelarbeit von rechter und linker Herzkammer besser zu koordinieren, man nennt diese Therapie „kardiale Resynchronisationstherapie“. Der Begriff „Dreikammerschrittmacher“ hat sich zwar durchgesetzt, ist aber anatomisch nicht korrekt, da das Herz nicht 3, sondern lediglich 2 Kammern besitzt und zusätzlich 2 Herzvorkammern (Vorhöfe). Bei dieser Schrittmachertechnik werden der rechte Herzvorhof und die rechte Herzkammer mit Elektroden (Sonden) versehen, dieser Eingriff entspricht einer herkömmlichen Zweikammerschrittmacherimplantation. Zusätzlich muß aber noch die linke Herzkammer mit einer Sonde versehen werden, weil nur dadurch eine Koordinierung der Stimulation von rechter und linker Herzkammer gelingen kann. Die linke Herzkammer, aus der das Blut über die Hauptschlagader in den Körper gepumpt wird, ist aber unter anderem aufgrund des hohen Blutdruckes in der Kammer nicht für das Einlegen eines Schrittmacherkabels geeignet. Man erreicht daher eine Stimulation der linken Herzkammer, indem man die Sonde in eine Vene legt, die außen der linken Herzkammer anliegt. Dadurch kann die linke Herzkammer stimuliert und der Ablauf der Muskelarbeit der beiden Herzkammern optimiert („synchronisiert“) werden. Das Implantieren einer Sonde in eine Herzvene an der Seitenwand der linken Herzkammer ist technisch anspruchsvoll und manchmal schwierig, zumal jeder Mensch einen unterschiedlichen und daher sehr variablen Verlauf dieser Venen besitzt. Aus diesem Grund sind die Implantationen der Dreikammersysteme häufig langwierig.

Die Implantation von Dreikammerschrittmachern und –defibrillatoren wird in unserer Klinik seit November 2003 angeboten, mittlerweile haben wir mehr als 100 dieser Systeme eingesetzt. Die ganz überwiegende Mehrheit der Patieten, die wir in regelmäßigen Abständen (etwa alle 6 Monate) ambulant nachkontrollieren, berichtet über eine erhebliche Verbesserung der Herzschwäche und eine deutlich gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit und damit wieder gewonnene Lebensqualität.

Es gibt diese Geräte als reine Dreikammerschrittmacher oder auch als Dreikammerdefibrillatoren, wobei bei Letzteren anstelle der Schrittmachersonde eine etwas dickere Defibrillatorsonde in die rechte Herzkammer gelegt wird. Beide Systeme können durch permanente Stimulation die Herzkammern synchronisieren und somit die Pumpkraft verbessern. Die Dreikammerdefibrillatoren überwachen den Herzrhythmus zusätzlich noch auf das Vorkommen von bösartigen Herzrhythmusstörungen und können diese ebenso wie herkömmliche Ein- oder Zweikammerdefibrillatoren durch eine Schockabgabe beenden. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird mit den Patienten vor der Operation das einzusetzende System festgelegt.

Herschrittmachermodelle 2
Herschrittmachermodelle 2

Elektrophysiologie

Elektrodenkatheter im Herzen waehrend der Ablation 01
Elektrodenkatheter im Herzen waehrend der Ablation 01

In Kooperation mit der Elektrophysiologie der Klinik für Kardiologie der Medizinischen Hochschule, bieten wir die katheterinterventionelle Behandlung von Herzrhytmusstörungen an.

Patienten können hier durch eine Verödung am Herzen, die mit einem durch die Leiste eingeführten Katheter durchgeführt wird, von anfallsartigem Herzrasen geheilt werden.

Ein Anfalls-EKG der infrage kommenden Herzrhythmusstörung wäre vor einer Ablationsbehandlung wünschenswert. Falls eine Aufzeichnung bei Ihnen oder Ihrem Patient bisher nicht möglich war, sind wir Ihnen gerne behilflich mit kleinen ausleihbaren EKG-Rekordern, mit denen über mehrere Wochen eine EKG-Aufzeichnung erfolgen kann. Patienten, die unter anfallsartigem Herzrasen leiden, können bei uns zu einer elektrophysiologischen Untersuchung jederzeit angemeldet werden.

Intrakardiales EKG vor der Ablation 01
Intrakardiales EKG vor der Ablation 01
Intrakardiales EKG nach der Ablation 01
Intrakardiales EKG nach der Ablation 01

Echokardiographie

Echokardiografie 3

Mit der Echokardiographie - der Ultraschalluntersuchung vom Herzen – haben wir die Möglichkeit, mit wenig Aufwand das Herz bei seiner Pumparbeit zu beobachten und zu beurteilen. Die Echokardiographie arbeitet mit vollkommen ungefährlichen Ultraschallwellen und ist bei Bedarf auch bettseitig und schnell verfügbar. Viele Herzkrankheiten einschließlich Herzklappenerkrankungen kann man mit dieser Methode sehr gut erkennen.

In der Klinik für Kardiologie sind drei Echokardiographiegeräte verfügbar, ein weiteres Gerät in der Zentralen Notaufnahme. Erfahrene Kardiologen untersuchen zusammen mit unseren medizinisch-technischen Assistentinnen fast alle unsere Patienten. Die Erfahrungen von ca. 4.500 Untersuchungen pro Jahr geben wir an unsere Ausbildungsassistenten weiter. Außerdem bieten wir jährlich einen zweitägigen Einführungskurs für Echokardiographie mit überregionaler Beteiligung an.

Ultraschall über die Brustwand (transthorakale Echokardiographie)

Hierbei wird ein kleiner Schallkopf von außen auf die Haut aufgesetzt und beschallt zwischen den Rippen durch den Brustkorb hindurch das Herz. Der Patient liegt meist auf der linken Seite. Diese Methode ist für die meisten Fragestellungen gut geeignet. Auch die Möglichkeit zur Aufnahme von 3D-Datensätzen ist vorhanden. Gelegentlich wird auch ein (spezielles nicht jodhaltiges) Kontrastmittel eingesetzt, um die Strukturen besser unterscheiden zu können.

Ultraschall unter Belastung (Streß-Echokardiographie)

Die oben beschriebene Untersuchung wird hier durch eine Belastung ergänzt, die Veränderungen der Herzarbeit unter diesem „Streß“ aufdecken soll. Ein Verdacht auf eine Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzerkrankung) ist die häufigste Indikation für diese Untersuchungen. Die Belastung erfolgt meist durch Fahrradfahren im Halbliegen, gelegentlich auch nur durch ein Medikament, das das Herz stärker schlagen läßt. Wie beim Belastungs-EKG wird bei dieser Untersuchung auch mehrmals ein EKG geschrieben und Blutdruck gemessen.

Ultraschall über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie)

Für manche Fragestellungen reicht die Untersuchung über die Brustwand nicht aus und es muß - wie bei einer Magenspiegelung - ein Ultraschallschlauch geschluckt werden. Die Speiseröhre grenzt direkt ans Herz, so daß genaue Bilder gemacht werden können. Häufig wird auch ein (nicht jodhaltiges) Kontrastmittel eingesetzt, um nach kleinen Löchern im Herzen zu suchen (s. offenes Foramen ovale oder Vorhofseptumdefekt). Damit die Untersuchung nicht zu unangenehm ist, wird der Rachen mit einem Spray betäubt und häufig auch ein Beruhigungsmittel gespritzt.

Gefäß-Duplexsonographie

Ergänzend bieten wir für unsere Patienten auch Ultraschalluntersuchungen der Adern mit der sogenannten Dopplertechnik an. Hier werden z.B. die Durchblutung der hirnversorgenden Arterien geprüft und nach Thrombosen vor allem in den Beinen gesucht.

Herz im Echokardiographiebild  Standbild

Kardio-MRT

Kardio MRT

Klinik für Kardiologie bietet seit Anfang 2012 in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Radiologie unter Chefarzt Prof. Dr. Christian Fink MRT-Untersuchungen des Herzens (Kardio-MRT) an.

Bei der Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) werden Bilder mit Hilfe eines starken Magnetfeldes und ohne die Anwendung von Röntgenstrahlen erzeugt. Ähnlich wie bei der Echokardiographie kann das Herz in Bewegung dargestellt werden und so die Funktion des Herzmuskels und der Herzklappen beurteilt werden.

Über den hohen Weichteilkontrast des MRT ist es möglich, krankhafte Veränderungen des Herzmuskels darzustellen. Hier können Veränderungen durch einen Herzinfarkt, durch eine Herzmuskelentzündung oder auch durch andere Herzkrankheiten unterschieden werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Darstellung der Durchblutung des Herzens in Ruhe und unter Belastung. Mit Hilfe eines Medikamentes (Adenosin) wird das Herz für wenige Minuten belastet. Bei arteriosklerotisch verengten Herzkranzadern können so Bereiche mit schlechter Durchblutung abgrenzt werden.

Ablauf der Untersuchung:

Für die MRT-Untersuchung liegt der Patient auf dem Rücken in einer Röhre. Um das Herz möglichst scharf darzustellen, bekommt der Patient ein EKG angelegt und erhält während der Untersuchung mehrere Atemkommandos. Außerdem bekommt er meist ein spezielles MRT-Kontrastmittel (Gadolinium) verabreicht, das kein Jod enthält und gut verträglich ist.

Falls eine Belastungsuntersuchung mit Adenosin geplant ist, sollte ab 24 Stunden vor der Untersuchung auf Kaffee, schwarzen Tee und Schokolade verzichtet werden.

Patienten mit Asthma sollten nicht mit Adenosin untersucht werden. Patienten mit liegendem Herzschrittmacher oder Defibrillator sind nicht für das Kardio-MRT geeignet. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss gegebenenfalls auf die Gabe des MRT-Kontrastmittels verzichtet werden.

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